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Der ITF-Kongress findet auf Einladung der bulgarischen Mitgliedsorganisationen der ITF und dank der besonderen Unterstützung des ITF-Vorstandsmitglieds Ekaterina Yordanova von der Föderation der Verkehrsgewerkschaften in Bulgarien in der bulgarischen Hauptstadt Sofia statt. Hier findet ihr eine Liste aller ITF-Gewerkschaften.

Wusstet ihr schon?

  • Bulgarien ist das älteste Land Europas.
  • Das bulgarische Alphabet entstand im 9. Jahrhundert.
  • Das bulgarische Volk stammt von Thrakern, Bulgaren und Slawen ab.

Weitere Informationen über die reiche Geschichte Bulgariens findet ihr in der Infobroschüre "Alles zum Kongress".

Gewerkschaften in Bulgarien: So alt und doch so jung

Die bulgarische Gewerkschaftsbewegung entwickelte sich nach dem Ende des Russisch-Türkischen Kriegs im Jahr 1878. Die erste Berufsgruppe, die sich organisierte, waren Lehrer/innen, gefolgt von Druckereiarbeiter/innen, die gegen schlechte Bezahlung und Beschäftigungsbedingungen in den Ausstand traten. In den darauf folgenden Jahren schlossen sich Beschäftigten aus unterschiedlichen Branchen zusammen und gründeten Gewerkschaftsorganisationen. Sie waren anfangs mit den sozialistischen Parteien des Landes verbündet, im Jahr 1924 fusionierten sie jedoch und erklärten ihre Unabhängigkeit.

Nach der von der Sowjetunion unterstützten "Sozialistischen Revolution vom 9. September 1944" kam die Vaterländische Front an die Macht und rief eine Volksrepublik aus. Privates Eigentum wurde verstaatlicht, und die anderen Parteien wurden aufgelöst. Neue Gewerkschaften wurden gegründet, und alle Beschäftigten schlossen sich der Allgemeinen Arbeitergewerkschaft an, die eng mit der Kommunistischen Partei verbunden war. Zu dieser Zeit wurden mehrere gewerkschaftsfreundliche Gesetze erlassen, die zum Teil noch heute in Kraft sind.

Im Jahr 1987 erhielten die Gewerkschaften eine gewisse Autonomie, die ihnen die Selbstbestimmung über ihre Aufgaben und Tätigkeit ermöglichte. In der Folge entstanden zwei nationale Gewerkschaften – die Föderation Unabhängiger Gewerkschaften und die Gewerkschaftskonföderation PODKREPA – was der Gewerkschaftsbewegung in Bulgarien neuen Auftrieb gab. Die Gewerkschaften Bulgariens blicken also auf eine lange Geschichte zurück, sind aber gleichzeitig noch relativ jung.

Gewerkschaftsrechte heute

Die erst seit kurzem unabhängigen Gewerkschaften sind heute mit Angriffen durch Privatisierung und neu entstandene Unternehmen konfrontiert. Der soziale Dialog musste daher in einigen Fällen von Grund auf neu aufgebaut werden und ist im privaten Sektor inoffiziell immer noch verboten.

Heute beträgt der gewerkschaftliche Organisationsgrad 20 %, im Verkehrssektor liegt er bei 27 %.

Das Gesetz bietet keinen ausreichenden Schutz vor Eingriffen seitens der Arbeitgeber. Die Aufnahme von Streiks wird durch überzogene rechtliche Voraussetzungen erschwert. So muss die Mehrheit aller Beschäftigten eines Unternehmens für einen Streik stimmen. Beamte haben weder das Recht auf Kollektivverhandlungen noch dürfen sie streiken. Auch das Streikrecht von Bahnbeschäftigten ist erheblich eingeschränkt, da das Gesetz die breite Aufrechterhaltung von Mindestdiensten bei den Bahnen vorschreibt.

Der bulgarischen Arbeitsaufsichtsbehörde wurden Probleme im Zusammenhang mit der Diskriminierung von gewerkschaftlichen Führungskräften und der Weigerung von Arbeitgebern, in gutem Glauben mit Gewerkschaften zu verhandeln, gemeldet. Zudem gab es Angriffe auf Eigentum und Geschäftsstellen von Gewerkschaften.

Weitere Informationen über die Lage der Gewerkschaftsrechte in Bulgarien sind in der Jährlichen Übersicht des Internationalen Gewerkschaftsbunds (IGB) über die Verletzungen von Gewerkschaftsrechten zu finden.